Niedrige Wasserstände auf dem Rhein setzen die Transporte zwischen den Nordseehäfen und dem europäischen Hinterland weiter unter Druck. Für die Schweiz ist das besonders wichtig, weil Basel über den Rhein direkt mit Rotterdam, Antwerpen und den deutschen Rheinhäfen verbunden ist.
Der Rhein ist nicht grundsätzlich gesperrt. Das praktische Problem ist die geringere Zuladung. Wenn ein Binnenschiff wegen des Tiefgangs nur einen Teil seiner normalen Menge laden kann, braucht es mehr Fahrten für dieselbe Tonnage. Der verfügbare Platz wird knapper und die Kosten pro Container oder Tonne steigen.
Stand 19. September: Die Lage hat sich nicht entspannt, sondern verschärft. Der Pegel Kaub — der massgebliche Referenzpegel am Mittelrhein — lag am 19. September bei rund 25 Zentimetern und damit weit unter dem gleichwertigen Wasserstand (GlW) von 77 Zentimetern. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde erwartet bis zum 23. September einen weiteren Rückgang auf rund 10 bis 15 Zentimeter.
Contargo hat am 18. September eine Niedrigwasser-Kundeninformation veröffentlicht und nennt darin folgende Werte, in Klammern der jeweilige Sollwert:
- Emmerich: 6 cm (70 cm)
- Duisburg-Ruhrort: 152 cm (300 cm)
- Köln: 68 cm (195 cm)
- Kaub: 26 cm (150 cm)
Alle vier Pegel liegen damit unter den Schwellen, ab denen die Transportverpflichtung des Operateurs endet — Emmerich 30 cm, Duisburg-Ruhrort 180 cm, Köln 105 cm, Kaub 80 cm. Es gilt freie Vereinbarung. Für den 21. September wird am Pegel Emmerich ein Wert von minus vier Zentimetern erwartet; Contargo kündigt für weiter fallende Pegel weitreichende betriebliche Massnahmen an.
Ladung lässt sich nicht beliebig auf die Bahn oder den Lkw verschieben. Beide Verkehrsträger sind bereits stark ausgelastet. Zudem müssen Containerterminals, Chassis, Fahrer und Bahnslots zusammenpassen. Fällt ein Anschluss aus, kann sich die Verzögerung über mehrere Tage ziehen.
Fr. Meyer’s Sohn warnte Anfang September, die eingeschränkte Barge-Kapazität bleibe ein kritischer Engpass, und die Lage dürfte sich kurzfristig weiter zuspitzen. Maersk bestätigte am 9. September ebenfalls weniger Barge-Kapazität und Schwierigkeiten für die Inlandterminals in Deutschland und den Niederlanden. Die Hafenstreiks Anfang September sind inzwischen beendet und die Rückstände in den deutschen Häfen weitgehend abgearbeitet; die Tarifrunde läuft jedoch weiter, eine Urabstimmung über unbefristete Streiks dauert bis zum 1. Oktober. Das Niedrigwasser trifft also unverändert auf ein angespanntes System.
Für Schweizer Importeure und Exporteure können Kleinwasserzuschläge entstehen. Solche Zuschläge werden je nach Pegel, Relation und Anbieter unterschiedlich berechnet. Sie sollten darum nicht pauschal übernommen, sondern je Transport geprüft werden. Wichtig ist auch, ob eine Offerte eine garantierte Kapazität enthält oder nur den reinen Transportpreis.