An die schlechten Nachrichten aus Hormus hat man sich inzwischen fast gewöhnt. Trotzdem gibt es eine Entwicklung, die für die Logistik wichtig ist: China beginnt seine Ölversorgung dauerhaft umzubauen.
COSCO Shipping Energy Transportation und China Merchants Energy Shipping schicken ihre Tanker seit Ende Juli nicht mehr durch die Strasse von Hormus oder durch Bab al-Mandeb. Vor dem Iran-Konflikt transportierten die beiden staatlich kontrollierten Reedereien zusammen ungefähr die Hälfte der chinesischen Rohölimporte aus dem Nahen Osten.
Das Öl kommt deshalb teilweise anders zum chinesischen Tanker. Grosse Schiffe übernehmen Ladungen per Ship-to-Ship-Transfer – also direkt von einem Schiff auf ein anderes – vor Fujairah oder vor der Küste Omans. Allein im Juni und Juli lagen solche Transfers mit chinesischen oder Hongkonger Schiffen laut Kpler bei über 600'000 Barrel pro Tag.
Das kostet. Die Tagesrate für einen VLCC auf der Strecke Oman–China wurde zuletzt mit rund 140'000 US-Dollar angegeben. Vor dem Krieg lagen die Gewinne eines solchen Tankers auf vergleichbaren Fahrten deutlich tiefer.
Dass die Vorsicht nicht übertrieben ist, zeigt ein neuer Zwischenfall. Der unter Liberia-Flagge fahrende Panamax-Bulker „Minoan Dignity“ wurde nach Angaben von Splash247 rund fünf Seemeilen vor Oman von einem unbekannten Projektil im Maschinenraum getroffen. Der Chief Engineer kam ums Leben.
Parallel verschärft Iran den Druck auf die Schifffahrt. Laut Fars sollen Schiffe eine von Iran vorgegebene Route nutzen, eine Genehmigung einholen und Servicegebühren zahlen. Die gemeldete Festsetzung eines UAE-Tankers bei Qeshm ist allerdings noch nicht offiziell bestätigt.
Die Lage bleibt damit weit von normal entfernt. Am Montag wurden laut Kpler nur sechs Frachtschiffe bei der Durchfahrt durch Hormus erfasst. VLCC-Rohöltanker und LNG-Tanker waren nicht darunter.
