Auf der Transpazifik-Route von Asien in die USA sind die Container-Spotraten Anfang August wieder deutlich gestiegen. Nach Angaben von Xeneta erhöhten sich die durchschnittlichen Raten Richtung US-Westküste innerhalb einer Woche um rund 14 Prozent. Richtung US-Ostküste waren es rund 13 Prozent.
Für einen 40-Fuss-Container – in der Statistik als FEU bezeichnet – wurden vom Fernen Osten zur US-Westküste im Durchschnitt rund 6'824 US-Dollar verlangt. Richtung US-Ostküste lag die durchschnittliche Spotrate bereits bei 9'988 US-Dollar und damit praktisch an der Marke von 10'000 Dollar.
Der wichtigste Grund dafür ist momentan nicht eine plötzlich explodierende Nachfrage, sondern ein klassisches logistisches Problem: schlechtes Wetter.
Taifune und starke Winde haben in verschiedenen asiatischen Häfen den Betrieb gestört. Schiffe können bei starkem Wind teilweise nicht sicher anlegen oder abfertigen. Dadurch entstehen Verspätungen von fünf bis sieben Tagen. Die Folge: Schiffe kommen zu spät zum nächsten Hafen, Container bleiben stehen und der verfügbare Frachtraum wird kurzfristig knapper.
Dazu kommen sogenannte Blank Sailings. Das sind geplante Abfahrten, die von den Reedereien gestrichen werden. Auch dadurch verschwindet kurzfristig Kapazität aus dem Markt.
Was hat KI damit zu tun?
Das klingt zunächst etwas eigenartig: Warum sollte künstliche Intelligenz Containerfrachten verteuern?
Gemeint ist nicht die Nutzung von ChatGPT oder anderer Software. Gemeint ist die Hardware dahinter.
In den USA werden weiterhin grosse Rechenzentren für künstliche Intelligenz aufgebaut. Dafür werden Server, Halbleiter und andere elektronische Komponenten benötigt. Ein wichtiger Teil dieser Produktion kommt aus Taiwan, Südkorea und weiteren asiatischen Ländern.
Dimerco meldet besonders aus Taiwan weiterhin eine starke Nachfrage nach Transportkapazität durch AI- und Halbleiterexporte. Ein grosser Teil dieser hochwertigen Ware wird zwar per Luftfracht transportiert. Die starke Elektronikindustrie sorgt aber gleichzeitig für zusätzliche Exportmengen und Logistikbewegungen aus Asien.
Die KI-Nachfrage ist deshalb eher ein zusätzlicher Ladungstreiber. Sie füllt einen Teil der Lücke, die durch schwächere klassische Konsumgüter- und E-Commerce-Mengen entstanden ist. Der aktuelle Ratensprung selbst wird jedoch vor allem mit den Wetterproblemen, Hafenstaus und der dadurch verknappten Kapazität erklärt.
Für Transporte zur US-Ostküste kommt ein weiterer Faktor hinzu: Einschränkungen und mögliche zusätzliche Belastungen am Panama-Kanal. Viele Asien-Verkehre zur Ostküste nutzen diesen Weg. Weniger verfügbare Kapazität oder Wartezeiten können deshalb die Raten zusätzlich stützen.
